Am Dienstag und Mittwoch durfte die ganze Welt Zeitzeuge einer der grössten Anhörungen der Geschichte werden. Mark Zuckerberg musste sich dem Sturm der Fragen und Kritiken des US-Kongresses stellen. Insgesamt 10 Stunden dauerte die Anhörung. Ein vermeintlich schweres Spiel, doch Mark Zuckerberg liess die Politiker alt aussehen.

Der normalerweise leger angezogene Milliardär erschien in schickem Anzug zu den Anhörungen. Zu Beginn war dem Facebook CEO die nackte Angst ins Gesicht geschrieben. Doch die anfängliche Unsicherheit schwand nach einiger Zeit immer mehr. Zuckerberg fühlte sich sicher denn er merkte, dass die meisten Senatoren scheinbar nicht allzu gut vorbereitet waren oder die Komplexität des Themas nicht verstehen. Wirklich in die Mangel genommen wurde Zuckerberg nur selten. Auf Fragen, die eigentlich viel Potenzial für eine Aufdeckung boten, wich er oft geschickt aus. Immer wieder beschönigte er, dass Facebook ein Ort sei, um Menschen miteinander zu verbinden und die Welt zu einem besseren Ort mache. Die wenigsten Senatoren unterbrachen ihn am Dienstag und forderten richtige Fakten.

Bei konkreten Fragen, zum Beispiel, wie oft es vorkam, dass Userdaten aufgrund von Facebooks Nutzungsbedingungen an Dritte weitergegeben wurden, spielte er den ahnungslosen und sagte: “I will have my Team follow up with you on that.” (“Mein Team wird das später mit Ihnen besprechen.”)

Nice Try, Mark. So einfach kommst du nicht davon. Oder doch?

Paying for privacy

Eins der wichtigsten Themen am Dienstag war, ob Facebook als Konsequenz des Datenklaus nun eine Bezahlversion anstrebe, anstatt sich von Daten und Werbung zu finanzieren. Zuckerberg antwortete, dass dies vielleicht eine Möglichkeit sei, versicherte aber auch, dass es immer eine kostenlose Version von Facebook geben werde. “Menschen zu verbinden sei die oberste Priorität von Facebook.”

Senator Nelson wollte wissen, ob man also dafür bezahlen müsse, wenn man der Datennutzung und dem damit verbundenen Werbetargeting entfliehen will. Mark drehte das Ganze wieder ins positive: “Uns ist bewusst, dass Menschen keine Werbung mögen. Was sie aber noch viel weniger mögen, ist Werbung, die nicht relevant für sie ist.” Weiter erzählt er, dass man die Datenweitergabe ausschalten könne man muss dies aber explizit steuern. Wenn Facebook ganz auf Werbeschaltungen verzichten würde, bräuchte das Unternehmen trotzdem noch ein Business-Modell. Sprich: Sie müssten eine mögliche Grundgebühr einführen, wenn man keine Werbung mehr sehen will.

Das heißt: Wenn du keine monatliche Grundgebühr zahlen willst, musst du damit leben, dass deine Daten für Werbe-Targeting genutzt werden. Puh.

Die Senatoren gaben sich mit diesen Antworten zufrieden. Die erste Anhörung dauerte zwar 5 Stunden doch Zuckerberg spielte die Politiker ganz klar geschickt aus. Er gab Fehler zu, trat sympathisch und respektvoll auf. Vor jeder Antwort sprach er die Senatoren direkt an.

Psychologisch gesehen ist das sehr intelligent. In diesem Moment würdigt er die Person, mit der er im Dialog steht. Er antwortete zwar ausschweifend, aber betonte oft, dass die gestellte Frage sehr gut und wichtig sei. Zuckerberg vermittelte den Senatoren in dem Moment ein gutes Gefühl. Sympathiepunkte erntete er also allemal.
Er trat souverän auf, wies die ihm angebotene Pause nach zwei Stunden Anhörung zurück und machte deutlich:  So leicht kriegt ihr mich nicht klein. Ruht euch nur aus  ich fange gerade erst an. Zu diesem Zeitpunkt stieg die Facebook-Aktie wieder in die Höhe. Jeder merkte, Mark Zuckerberg wird das Duell gewinnen.

 

Auch am zweiten Tag trat Zuckerberg kein echter Gegner gegenüber: Zwar waren hier die Fragen schärfer und die Abgeordneten des Repräsentantenhauses schienen besser vorbereitet doch auch sie verliefen sich in Wiederholungen und unnötigen Unterbrechungen. Mark Zuckerberg wirkte gleich von Anfang an viel sicherer.

Es gelang es ihm, alle wichtigen Fragen sympathisch und frei zu beantworten, ohne, dass man ihm etwas vorwerfen kann. Sollte man die gleichen Datenschutzrichtlinien wie in Europa einführen? “An sich eine gute Idee, es kommt auf die Details an”, beantwortete Zuckerberg eine der elementarsten Fragen. Eine konkrete Nachfrage? Fehlanzeige.
Die Einführung einer verpflichtenden Opt-In Opt-Out Option zur Weitergabe an Dritte? “Das kann man zu einem späteren Zeitpunkt gern diskutieren”, bestätigte Zuckerberg freundlich. Auf die Frage, warum Schattenprofile, also Daten von Personen, die gar nicht auf Facebook aktiv sind, existieren, reichte die Antwort “Aus technischen Gründen.” vollkommen aus. 

Zuckerbergs Taktik ist aufgegangen.

Das Entsetzen ist gross. Man fragt sich an dieser Stelle, wofür der ganze Aufriss war. In diesen zwei Tagen hätten die Politiker vielleicht nicht sofort alle Gesetze für Facebook ändern können, aber Druck haben sie auch nicht ausgeübt. Man hatte das Gefühl, sie sind unvorbereitet und ahnungslos in die Anhörung gegangen ganz im Gegensatz zu Mark, welcher sich akribisch auf die Anhörung vorbereitet hat. Er hatte eine Strategie und das Gesicht von Facebook perfekt repräsentiert. Er strahlte Sicherheit aus so als würde er nichts verbergen. Die Frage ist nun, ob die Politiker ihm wirklich glauben und mit den Antworten, die sie haben, ihre Beschlüsse daraus ziehen können, oder ob sie einfach nicht wussten, worauf der Fokus wirklich gelegt werden sollte. Dazu kommt noch, dass Zuckerberg nicht der einzige ist, der verhört werden sollte. Denn, mal ehrlich, er hat zwar Facebook gegründet und führt das Unternehmen aber er hat 27.000 Mitarbeiter unter sich, die vielleicht viel mehr mitbekommen als er.

Fazit: Der US-Kongress hatte 10 Stunden Zeit um die Antworten zu bekommen, die die Welt so dringend benötigt. Handfeste Antworten, die uns über die Zukunft von Facebook aufklären. Die zweitägige Anhörung von Mark Zuckerberg galt zu Beginn als historisches Ereignis. Doch nun bleiben lediglich die Tage in Erinnerung, an denen Mark Zuckerberg die US-Politiker über den Tisch zog.

 

*Bildquelle Header: Tagesspiegel