Wie wäre es heute mit einem einsamen Jogger? Oder zwei junge Frauen? Oder doch lieber der 15-Jährige Kiffer im Wald? Die neuen Snap-Maps machen es Verbrechern leicht, neuen Opfer zu orten. Doch spulen wir mal kurz zurück.

In dieser Woche präsentierte Snapchat stolz sein neues Feature: die Snap-Map ermöglicht es, Storys mit genauem Standort zu teilen. Mit dem neuen Feature kann man seine Story auf die Strasse genau lokalisieren und im Ghostmodus für sich behalten oder mit seinen Freunden oder gar der ganzen Welt teilen. Locations in offiziellen Snapchat Stories, werden Millionen von Leuten auf dem Silberteller präsentiert. Der Explorefeed zeigt neu, wo auf der Welt Storys gepostet wurden.

 

Gerade erst haben sich die Wogen im Facebook-Skandal geglättet. Sorgen bereiten mir unbedachte Jugendliche, die ihre Standorte mit der ganzen Welt teilen und so in Gefahr geraten. Viele Teenager haben ein öffentliches Snapchat-Profil und sind, was Datenschutz angeht weitestgehend sorgenfrei, während wir uns die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wenn also ein junges Mädchen eine Story postet, in der sie alleine durch den Wald joggt, könnte das neu die perfekte Einladung für Verbrecher und Triebtäter sein. Einmal Snapchat öffnen und Jackpot!

Snapchat versucht das Gefahrenpotential herunterzuspielen:

Auuutsch. Das heisst, wenn man Snapchat auch nur offen hat, sieht man den neuen Standort eines Snapchat-Freundes. Ah super! Jetzt ist er nicht mehr am Loryplatz, sondern in der Victoriastrasse. Da zieht sich mir der Magen zusammen. 

 

Was ist schon dabei, wenn Freunde sehen, wo ich gerade bin? Ich muss ja nicht alles öffentlich posten.

Mal ehrlich. Kennst du jeden deiner Snapchat-"Freunde"? Ich hab die meisten meiner Kontakte seit Monaten oder Jahren nicht gesehen oder kenne sie nur flüchtig. Woher will ich wissen, ob Max, dem ich ab und zu in der Uni über den Weg laufe, mittlerweile nicht zum Verbrecher mutiert ist, der nun mithilfe von Snapchat auf Spurensuche geht?

 

Hab dich mal nicht so – ich kann doch jederzeit ändern, wer die Story sehen darf.

Natürlich, aber denkst du vor jeder Story drüber nach, dass das jetzt nur Lisa, Marie und Jonas sehen dürfen? Und denkt ein 15-Jähriger daran?

 

Aber Geo-Filter gibt es doch schon seit Jahren. Da wird mein Standort doch auch ausgelesen!

Anzugeben, in welcher Stadt oder welchem Stadtteil man ist, ist das eine. In welcher FREAKING STRASSE man gerade spaziert oder alleine auf dem Sofa liegt ist eine ganz andere Liga.

 

Wenn ich nicht mein Gesicht zeige und nur das poste, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist, hab ich doch nichts zu befürchten.

Ja – aber. Erwachsene wissen, was sie preisgeben wollen und was nicht. Schliesslich nutzen aber Erwachsene Snapchat so gut wie nicht. Die Grossteil der Snapchatnutzer sind Jugendliche unter 18. Und die laufen jetzt ins offene Messer, weil sie sich keine Gedanken darüber machen, dass das Teilen ihres Standortes schwere Folgen haben könnte. Wenn Teenis ihre Frühstücksbrunchs zuhause posten, weiss die ganze Welt, wo sie wohnen.

 

Und wie soll ich jetzt damit umgehen?

Dass Snapchat ausgerechnet jetzt Snap Maps öffentlich macht finde ich ziemlich krass. Die ganze Welt ist durch die Cambridge Analytica Affaire – oder auch Facebook-Gate — in Sachen Datenschutz sensibilisiert worden. Mark Zuckerberg findet kaum Worte. Erwachsenen, die Snapchat wenig oder bewusst nutzen, kann die Snap-Map relativ Schnuppe sein.

Für alle Eltern ist es jetzt vielleicht Zeit für ein ernstes Gespräch mit euren Snapchat-Teenies.

 

Wie geht's mit Snap Maps weiter?

In Zukunft dürfte Snapchat ihr neues Feature mit passenden Local Features komplettierten: "Du befindest dich gerade in der Nähe eines Bäckers? Zack hast du eine passende Rabattaktion auf dem Smartphone."

 

Was hältst du von der Snap-Map? Völlig ungefährlich oder hast du auch schon Bauchschmerzen?