Ob ich Zeit dafür habe, alle 23 Minuten zum Smartphone zu greifen? Nicht wirklich. Warum ich es trotzdem tue? Seien wir ehrlich: Unsere Abhängigkeit von Internet und Smartphone ist so stark geworden, dass wir es nicht mal merken. Weil es so selbstverständlich geworden ist, wie atmen. Kurz und gut: Ich bin schwer abhängig.

Als mir auffiel, wie viel Zeit ich täglich durch Social Media und das Smartphone verliere, beschloss ich, mich genau mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Artikelreihe „Attention Hacking“ (Teil 1 und Teil 2) zu schreiben.

Im zweiten Teil der Artikelserie machte ich den Selbstversuch, jeglicher Ablenkung auf der Arbeit aus dem Weg zu gehen. Es war nicht leicht, doch ich habe Wege gefunden, um die zahlreichen Ablenkung durch Internet und Smartphone zu eliminieren. Endlich kann ich wieder produktiv arbeiten und mich nach kurzen erholsamen Pausen wieder neu fokussiert auf die Arbeit stürzen.

Das sind die Methoden, die mir wirklich geholfen haben:

1. Emails können warten.

Ich glaube, fast jeder öffnet früh morgens zuerst das Mailprogramm seines Vertrauens und arbeitet Anfragen, Kritiken und Mitteilungen ab. Da können schon mal 1–2 Stunden Zeit verstreichen, ohne dass man mit der täglichen Arbeit weiter gekommen ist. Das demotiviert und drückt dem Tag gleich den Stempel „Unproduktiv“ auf.


Mein Tipp:

Fang so früh wie möglich damit an, Aufgaben abzuarbeiten. Wenn du morgens noch ausgeschlafen (das solltest du ja sowieso sein) ins Büro kommst, erledige gleich deinen ersten Task. Du wirst merken, das geht ziemlich schnell und lenkt den Tag gleich in die richtige Richtung: Produktivität. Mails können auch noch eine Stunde warten — sonst wären sie ja Anrufe geworden. Wenn du schon ein bis zwei Aufgaben erledigt hast, startest du in das Beantworten von Mails mit mehr Elan.

2. Smartphone ja — aber nur zu bestimmten Zeiten.

Hand aufs Herz: in unserem Job ist es fast nicht möglich, das Handy auszuschalten oder im Schrank zu verbarrikadieren.  Das Smartphone sollte in deiner Nähe sein, aber du solltest private und berufliche Zwecke nicht vermischen, weil dich das sonst ständig von der Arbeit ablenken wird.

 

Mein Tipp:

Lege dir fixe Zeiträume fest, in denen du an dein Handy gehst.

Räume dir alle zwei bis drei Stunden für 2–3 Minuten Smartphone-Zeit für private Zwecke ein. Wenn du unbedingt eine kurze Instagram- oder Whatsapp-Pause brauchst, suche dir vorher Uhrzeiten aus. In den Stunden dazwischen sollte das Handy aus deinem Sichtfeld, aber trotzdem in Reichweite sein, falls geschäftliche Anrufe getätigt werden müssen.
Wenn du dich nicht nach Uhrzeiten richten möchtest, kannst du dir auch nach zwei oder drei erledigten Aufgaben eine kurze Smartphone-Pause gönnen — so mache ich das.

3. Multi-Tasking funktioniert nicht immer.

Auch ich habe immer nach Multi-Tasking gestrebt und ich würde nicht mal behaupten, dass ich wahnsinnig schlecht darin bin. Doch ich habe gemerkt, dass ich beim Multi-Tasking anfälliger für Ablenkung bin, weil ich an mehrere Sachen gleichzeitig denke.

Darum arbeite ich nun eine Aufgabe nach der anderen ab und versuche auch immer nur ein Tab im Browser offen zu haben. So verhindere ich, dass ich auf anderen Seiten nach Ablenkung suche und kann konzentrierter arbeiten.

 

Mein Tipp:

Durch die hundertprozentige Konzentration auf eine Arbeit sparst du enorm viel Zeit und erledigst die Aufgabe viel schneller, als wenn du fünf weitere Tabs geöffnet hast, die deine Augen immer wieder anziehen. Wenn ich einen Artikel schreibe, öffne ich nur das Dokument dafür. Drum herum ist nichts, was mich ablenkt.

 

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4. To-Do-Listen auf Papier

Hilfreich ist auch das Führen von To-Do-Listen. Ja ich weiss, das ist nichts Neues. Mir hilft es jedoch, die wichtigsten Aufgaben auf einem Blatt Papier niederzuschreiben und sie bei Fertigstellung mit einem echten Stift durchzustreichen, anstatt einen virtuellen Haken an ein virtuelles Kästchen zu machen. Ich meine, wann habt ihr zuletzt einen Satz per Hand auf einem Blatt Papier geschrieben?


Mein Tipp:

Nehmt euch ein Blatt Papier, legt es auf euren Schreibtisch und schreibt eure To-Do’s für jeden Arbeitstag auf das Papier. So habt ihr eure Aufgaben immer im Blick und könnt sie nicht vergessen. Denn eine Papierliste kann man nicht einfach übersehen, ganz im Gegensatz zu einem Tab.  Sobald ihr eine Aufgabe erledigt habt, streicht die Aufgabe mit einem Stift durch. Ihr glaubt gar nicht, wie gut sich das anfühlt.

5. Nicht-Stören-Modus – mit Ausnahmen.

Nichts ist ablenkender, als die ständigen Push-Benachrichtigungen auf dem Smartphone. Whatsapp-Nachrichten, Eilmeldungen, Instagram-Benachrichtigungen, Facebook-Pushs… Das ständige Blinken und Klingeln unterbricht uns mehrmals in der Stunde und klaut uns wertvolle Zeit. Nicht umsonst haben die meisten Smartphones eine Nicht-Stören-Funktion.

Mein Tipp:

Durch das Aktivieren der Nicht-Stören-Funktion auf deinem Handy werden alle Benachrichtigungen und Anrufe stumm geschaltet. Hast du Angst, wichtige Anrufe von Kunden oder dem Chef zu verpassen? Dann nutze die Ausnahme-Funktion. Dort kannst du festlegen, welche Anrufe durchkommen dürfen und welche stumm bleiben. So kannst du wirklich wichtige Anrufe entgegennehmen, ohne ständig von Mark Zuckerbergs Teufelmaschinen abgelenkt zu werden.

6. Offline-Pausen machen – ohne Bildschirme (und Zigarette!)

Es ist völlig normal, dass wir nicht acht Stunden am Stück hochkonzentriert arbeiten können. Wenn du müde wirst und dich nach einer kurzen Pause sehnst, dann nimm sie dir. Greif jedoch nicht zum Smartphone und öffne nicht Facebook oder Instagram — gehe nicht über Los.

Mein Tipp:

Steh auf, geh kurz an die frische Luft, lauf ein paar Schritte oder streck dich ausgiebig. Versuche nicht an die nächste Aufgabe zu denken, sondern schalte wirklich einmal kurz ab. Nimm dir einen Kaffee mit, atme durch und entspann dich. Du wirst merken, die frische Luft und die lächerlichen 5 Minuten Offline-Zeit tun dir gut und werden dich anschliessend fokussiert arbeiten lassen.

7. Screen-Free Challenges

Bestimmt hast du das Gefühl, dass du dein Smartphone ja gar nicht soooo oft in die Hand nimmst und dich gar nicht so viel ablenken lässt, stimmts?

Na dann beweis es dir selbst und track die Zeit, die du am Smartphone verbringst. Es gibt unzählige Apps, mit denen du deine Smartphone-Nutzung, aber auch deine Offline-Zeit tracken kannst. So schaffst du dir ein Bewusstsein für deine tatsächliche Abhängigkeit.


Mein Tipp:

Viele Apps bieten sogenannte „Screen-Free-Challenges“ an. Du kannst dir selbst ein Zeitlimit setzen, wie lang du das Smartphone nicht anrühren willst. Wenn du durchhältst: Sei stolz auf dich! Wenn du schwach wirst: Gib nicht auf! Du schaffst das.

 

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8. Recherche im Internet und auf Social Media.

In meinem Job kommt es nicht selten vor, dass ich auf Social Media Plattformen aktiv sein muss, die mit meinem privaten Profil verknüpft sind. Während ich also für einen Kunden Social Media Management betreibe, ploppt nicht selten ein witziges Meme oder Fotos von ehemaligen Klassenkameraden auf, die mich schnell ablenken. Auch der Facebook Chat ist ein Konzentrationskiller. Sobald du online bist, wirst du angeschrieben.


Mein Tipp:

Deaktiviere den Chat, dann wirst du gar nicht erst angeschrieben und kannst selbst auch keine Nachrichten schreiben. Praktisch. Wenn du auf Facebook, Instagram und Co. gehen musst, fang gar nicht erst an, durch den Feed zu scrollen. Gib in die Suchfunktion die Seite ein, auf die du wirklich zugreifen musst. Bist du fertig damit, schliess Facebook oder Instagram und mache keinen Abstecher zum Feed. Das ist fatal!

Und für die Hardcore-Ablenkungs-Gefährdeten: Wenn du im Internet recherchieren musst, hilft dir ein Adblocker, dass dich keine verlockenden Werbungen aufhalten und du dich nicht plötzlich im Sale vom H&M Online Shop wiederfindest.

9. Lass deine private Internet-Nutzung zuhause.

Privates gehört nicht an den Arbeitsplatz, das ist eigentlich nichts Neues. Doch durch die Infinity-Kommunikation ist dieser einfache Grundstz etwas schwammig geworden.

Mein Tipp:

Chats mit Freunden und Familie lenken dich ab. Deshalb schliesse Whatsapp-Web,  dein privates Mailprogramm und nutz nur die arbeitsrelevanten Programme. So eliminierst du Ablenkungen privater Natur. Zuhause hast du noch genug Zeit fürs Surfen, Chatten und Binge-Watching. Online-Shopping und der neueste Gossip können bis zum Feierabend warten.

Es ist nicht leicht, Attention Hacking zu entkommen, vor allem nicht, wenn man in einem Job arbeitet, bei dem man auf Internet und Social Media angewiesen ist. Ich hoffe, ich konnte dir einige wertvolle Tipps mit auf den Weg geben und dich  zum Nachdenken über dein Konsumverhalten anregen. Unsere Offline-Welt bietet so viel schönes. Die Online-Welt kriegt täglich bis zu 10 Stunden deiner Aufmerksamkeit. Ist das nicht genug? Sollten wir unsere Offline-Momente nicht mehr schätzen?

Hast du  weitere Tipps, wie man sich auf der Arbeit weniger ablenken lässt oder eigene Erfahrungen mit Digital-Abstinenz gemacht? Schreib uns.Die besten Tipps nehmen wir in diesen Blogpost auf.